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Florian Flicker

Angesichts der Erfolge und Auszeichnungen auf allen großen internationalen Festivals wurde in den vergangenen Monaten wieder des Öfteren das „österreichische Filmwunder“ zitiert. Michael Haneke, längst einer der bedeutendsten Regisseure des Weltkinos, gewann mit seinem Meisterwerk Liebe in Cannes die Goldenen Palme, Ulrich Seidl erhielt für Paradies: Glaube – Teil zwei seiner „Paradies-Trilogie“ – den Spezialpreis der Jury von Venedig, die Erfolge von Götz Spielmann und Stefan Ruzowitzky zählten in jüngerer Vergangenheit zu weiteren Höhepunkten dieser Erfolgsserie. Nicht ganz so spektakulär im Vordergrund stand dabei ein Mann, dessen Werk in seiner Vielschichtigkeit und Qualität das österreichische Filmschaffen jedoch ebenfalls um wesentliche Beiträge bereichert hat. Gleich mit seinem Kinodebüt von 1993 versuchte sich Florian Flicker mit dem SciFi-Film Halbe Welt an einem Genre, das man üblicherweise nicht mit dem österreichischen Film assoziiert. Mit Erfolg: Halbe Welt errang gleich einmal den Spezialpreis der Jury Bester Erstlingsfilm beim Fantastica Festival in Avoriaz. Sein wunderbares Roadmovie Suzie Washington, in dessen Mittelpunkt eine Frau steht, die auf der Flucht vor der Abschiebung eine Odyssee durch Österreich widerfährt, etablierte Flicker als einen der interessantesten Filmemacher Österreichs. Ein Ruf, den er mit seinem nächsten Projekt bestätigen sollte. In Der Überfall zwingt ein missglückter Raub drei höchst unterschiedliche Charaktere (von den exzellenten Darstellern Roland Düringer, Josef Hader und Joachim Bißmeier gespielt) auf engsten Raum zusammen, es kommt zu einem psychologischen Machtkampf mit wechselnden Fronten, der tragikomische Züge annimmt. Angesichts solcher Erfolge war es umso verwunderlicher, dass Florian Flicker nach No Name City, seinem Dokumentarfilmprojekt um eine gescheiterte Erlebniswelt, sechs Jahre brauchte, um seine nächste Regiearbeit auf die Beine zu stellen. Doch das Warten hat sich gelohnt, mit Grenzgänger (Kinostart 16. November) hat sich Flicker wieder einem dramatischen Stoff zugewandt. Dabei transferiert er Karl Schönherrs „Der Weibsteufel“ in die Gegenwart. Im Zentrum stehen dabei Hans (Andreas Lust) und Jana (Andrea Wenzl), die sich im Sumpfgebiet der March-Au ein ideales Rückzugsgebiet für diverse kriminelle Aktivitäten geschaffen haben. Doch ein junger Soldat (Stefan Pohl), zur Grenzsicherung abkommandiert, stört diese Idylle und eine verhängnisvolle Konstellation um Leidenschaft, Verrat und Verbrechen beginnt Gestalt anzunehmen.


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